Von einem, der Auszog um seinen Gott zu finden

Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg!

Shirley MacLaine schrieb eines, Paulo Coelho ebenso und nun hat auch Hape Kerkeling im letzten Herbst ein Buch über den Jakobsweg veröffentlicht. Vielen ist er bekannt als Komiker, der gerne mal als fingierter Talkshowgast ins Bücherregal uriniert oder die niederländische Königin mimt. In diesem Buch zeigt er sich von einer ganz anderen Seite.

Seit vielen Jahrhunderten machen sich Menschen auf den Weg um als Pilger ihrem Gott näher zu kommen, sich von Schuld zu befreien, um zu sich zu kommen. Einer der ältesten Pilgerwege in Europa ist der Jakobsweg, der am Fuße der französischen Pyrenäen viele verschiedene Routen aus allen Teilen des Kontinents zu einer verbindet. Santiago de Compostela im äußersten Nordwesten Spaniens ist seit dem Mittelalter das Ziel vieler Pilger, denn dort soll der Apostel Jakobus der Ältere sein Grab haben. Im Sommer 2001 tritt auch Hape Kerkeling, Komiker und bekennende Couch Potatoe, die Reise von St. Jean de Pieds in Südfrankreich nach Santiago de Compostela in Spanien an. Über 600 km liegen anfangs vor ihm, die er in etwa sechs Wochen bewältigen will.

Wo ein Weg ist, braucht man einen Willen

Beeindruckend ehrlich schildert Kerkeling die physischen und mentalen Grenzen, die er immer wieder überwinden muss. Aber auch das Alleinsein mit sich selbst und die Reflektionen über Gott und die Welt bestimmen seine Pilgerschaft. Nicht zuletzt die Begegnungen mit anderen Pilgern geben ihm Antwort auf seinen Fragen, eröffnen ihm eine neue Sichtweise auf die Dinge. Trotz aller Zweifel, die ihn bis zuletzt plagen, lässt er auch immer wieder durchblicken, dass er daran glaubt, dass der Weg ihn verändern wird. Neben philosophisch- theologischen Gedankenspielchen und persönlichen Erinnerung, lässt Hape die Leserschaft auch an Anedokten der Reise teilhaben. In gewohnt witziger Manier schildert er skurrile Pilgerbekanntschaften und bizarre Reiseerlebnisse. Trotzdem gleitet das ganze nie ins Banale, rein Komische ab, sondern jede dieser Begegnungen leistet ihren Beitrag zum Gelingen dieser Reise. Auf eindrucksvolle und vor allem glaubwürdige Art beschreibt er seine Annährung an Gott, je näher er Santiago kommt. Gerade weil es eigentlich ein Reisetagebuch ist, redet der Comedian ganz offen über seine Einstellung zur Amtskirche, seine Meinung über bestimmte Typen von Pilger und auch über Unannehmlichkeiten in Form von schlechten Herbergen. Zum einen entzaubert er also das Pilgerleben, zum anderen legt er jedoch Zeugnis dafür ab, dass eine Pilgerreise grundsätzlich die Sicht auf die Dinge verändert.
Für Freunde des Kerkeling’schen Humors, die nebenbei auch spirituellen Themen gegenüber aufgeschlossen sind, ist dieses Buch wärmstens ans Herz zu legen. Für alle, die vorhaben den Jakobsweg selbst zu laufen, ist es Pflichtlektüre.